Aliana Kristallstern

"Aliana" / Copyright by Tanja Waack

Die Zauberweberin aus der Grimmfrostöde

(Achtung: Dieser Text kann Spoiler zum Abenteuer Klingen der Nacht enthalten)

Eisige Kälte umwehte Aliana. Nichts außer weißem endlosen Schnee umgab die Firnelfe. Diese riesige Eiswüste um sie herum war ihr zu Hause. Die Grimmfrostöde. Kein lebensfreundlicher Ort. Ihr Bruder Eribrandûr Kristallstern stand neben ihr und untersuchte die Spuren eines Eisfuchses. Die beiden Elfen glichen sich äußerlich sehr, beide hatten langes weißes Haar, das im scharfen Wind hin und her gerissen wurde, ebenmäßige Züge und rot leuchtende Augen. Doch vom Wesen konnten sie nicht unterschiedlicher sein. Ihr Bruder war ein ernster Elf mit festen Prinzipien und warf der Schwester gern ihre Sorglosigkeit vor. "Die Spuren sind schon zu alt, bis wir nah genug dran sind, wird uns der Schneesturm eingehüllt haben", sprach ihr Bruder. Gepackt in warme Pelze, die die Eiseskälte größtenteils abhielten, antwortete Aliana: "Wenn du das sagst Brüderchen, dann lass uns zurückgehen." Und so machten sich die Geschwister auf den Rückweg. Aufgewachsen waren die beiden im Kristallpalast der Tränensuchersippe, im ewigen Kampf nicht nur gegen die Kälte, sondern auch ihrer Erzfeindin Bhardona (Pardona). Die Erschafferin der Shakagra (Dunkelalben), Eisigeln, Gletscherwürmern und weiteren chimärischen Monstrositäten.

Ein hartes Leben, in das die schöne Firnelfe geboren wurde, selbst noch sehr jung für eine Elfe, kaum 300 Jahre alt, muss sie doch gescholten von der grausigen Natur des ewigen Eises, immer in Angst vor neuen Gefahren leben. Die ehemalige Botin Pyrdacors, Pardona, herrscht noch immer in den untermeerischen Städten Ryl'Arc und Tieaha Mhagra und sinnt immer wieder neue und noch grausamere Pläne für die Eroberung Aventuriens aus.

Die Vertreibung aus dem Himmelsturm ist zwar schon Jahrtausende her, doch zeugt die Traurigkeit und Grimmigkeit Alianas Vorfahren und Mitelfen noch immer vom Fall der Hochelfen. Dem stellt sich Aliana entgegen, sie ist eine Träumerin, die Firnelfe war schon immer von den Sternen fasziniert. Schon früh stellte sich heraus, dass Aliana anders war als die anderen Firnelfen. Nicht so mürrisch und weltfremd, wie man es eigentlich von Firnelfen erwarten würde, sondern aufgeschlossen und neugierig. Die Firnelfen ihrer Sippe rügten sie, man solle sich eher auf das hier und jetzt konzentrieren und nicht den Blick in den Himmel schweifen lassen, dort wo einst die Götter wohnten, denen man vor langer Zeit abschwor.

Nichts destro trotz übergaben sie Aliana eine wichtige Aufgabe, so wurde sie von ihrer Sippe losgeschickt, um eine Waffe gegen ihre ewige Widersacherin Pardona und die Eishexe Glorana zu finden. Es muss eine Möglichkeit geben, das Böse ein für alle Mal unschädlich zu machen.

Auf dem Markt in Kela stößt Aliana auf ein altes Buch eines gewissen Simsa LáBims, auf dessen Vorderseite mehrere stürzende Sterne abgebildet sind. Sie ersteht dieses Buch im Tausch gegen einen Schneefuchs-Pelz. Ihr Bruder Eribrandûr ist von diesem Tausch wenig begeistert, kann man doch mit totem Papier nur wenig anfangen. Außerdem sind Bücher aus gefällten Bäumen hergestellt, welch Frevel, nur um auf deren Überresten seine Gedanken niederzuschreiben.

Aliana wird nicht schlau aus den tulamidischen Schriftzeichen und ist auf der Suche nach jemandem, der ihr diese eigenartigen Zeichen erklären kann. Lange ohne Erfolg, doch in der kargen Wildnis wird sie fündig. Aliana begegnet Phanta, einer nivesischen Jägerin, die von einem Kloster in Glyndhaven zu berichten weiß. Die dortige Hohe Hüterin, wie Quenia Goldwige vom Berg, die Vorsteherin des Praiosklosters Auridalur genannt wird, soll in den Gewölben geheimes und gefährliches Wissen lagern und sich selbst ebenfalls für die Gestirne interessieren.

Zu neugierig, welch Geheimnisse sich in diesen Schriften verbergen mögen, macht sich die Firnelfe ohne ihren Bruder, der wieder den Heimweg antritt, auf den Weg nach Glyndhaven und kundschaftet das kleine Städtchen in der Bernsteinbucht aus. Bannstrahler kontrollieren hier den Bernsteinhandel und Aliana erfährt, dass sogenannte Helden mit Himmelslichtern die Stadt aufsuchten, leider begleitet von angriffslustigen Dunkelalben, die versuchten jenes Wissen, welches Quenia bewahrt, zu stehlen. Doch auch wenn die Shakagra von den Helden und Praiospriestern erfolgreich abgewehrt werden konnten, leben die Glyndhavener in steter Sorge auf baldige Rückkehr. Die Nachtalben, bei Aliana bekannt als feyra („Nicht-Elfen“), hatten im Winter 1040 BF versucht im Kaiser-Gerbalt-Fort, welches auf den Ruinen der einstigen Hochelfenfestung Andion erbaut wurde, einen Dämon zu entfesseln und sich dessen Macht anzueignen.

Ungleich des Geredes wird sie im Kloster vorstellig und trifft, wie nicht anders zu erwarten auf Ablehnung. So bleibt der schönen und doch mystisch wirkenden Firnelfe keine andere Wahl, als in das Kloster einzubrechen und die dortigen Bücher selbst zu studieren. Die Zauber Adlerschwinge und Visibili helfen ihr dabei. Und so kommt es, wie es kommen musste: Aliana, die sich in alten elfischen Aufzeichnungen verliert, wird entdeckt. Von Quenia selbst, doch zu ihrem Glück hört sich die Vorsteherin Alianas Geschichte an. Dass sie nur auf der Suche nach einer Waffe gegen Pardona und deren Schöpfungen ist und sie außerdem versucht jenes Buch zu übersetzen, welches sie auf dem Markt in Kela erwarb.

Die Neugierde und der Wissensdurst der Klostervorsteherin sind zu groß und Alianas Zauber Seidenzunge tut ihr Übriges. So entsteht aus diesem ungleichen Gespann eine seltsame Freundschaft. Sie tauschen sich tage- oder sogar wochenlang aus. Das Wissen der Elfen fasziniert die Praiosgeweihte und auch die Firnelfe kann noch vieles lernen. In dieser Zeit erwirbt Aliana nicht nur das Wissen über einen ihr neuen Zauber, Analys Arkanstruktur, sondern erfährt aus Simsa LáBims Buch auch von einem baldigen Sternenfall, der sich im Svellttal ereignen soll. Zur großen Trauer Quenias, die es jedoch nachvollziehen kann, reist Aliana bald weiter, um sich auf die Suche nach den machtvollen Sternenartefakten zu begeben, um vielleicht mit deren Hilfe gegen den großen Feind der Firnelfen ein für alle Mal zu bestehen.

von Oskar Mewes

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