"DAS KOMPENDIUM" – KAPITEL 07

REISEN UND LEBEN DES LYSANDER FEDERKIEL

Was wurden wir prächtig empfangen. Ich bin einiges an Aufhebens gewöhnt, wenn ich einkehre, doch was der Altvater mir zu ehren auffuhr, das war schon etwas Besonderes. Ein gewaltiges Bankett war im Atrium des Fringlashofes bereitet und es gab alles, was mein Herz – oder die Herzen meiner Mitstreiter – begehrten. Dazu Tanz und Gesang der schönsten Damen mannigfach! Meiner Treu, dafür ließe ich mich gar öfter von Höllenhunden beißen.
Nur zwei Damen fehlten: Keine Spur von Selma Notfink oder der verräterischen Asmodet, doch nach Letzterer wurden Häscher ausgesandt. Hingegen überraschte eine Dame mit ihrer unerwarteten Anwesenheit: Orasilas Schwester besuchte ihn vor dem Tore mitsamt seinem Gaul und verlorener Ausrüstung. Mei, was ist er durch den Hof gehüpft, ob all‘ dieser Gaben! Gesättigt und ermüdet von Speis und Trank, zog ich mich in mein Gemach zurück und verscheuchte die beiden hübschen Damen, die mich dort erwarteten – nach einer Stunde voller Liebreiz. Und einer Weiteren. Dann war wirklich Schlafenszeit für meine Künstlerseele. 
Ich ließ meine flotte Schreibefeder einige Notizen zu meiner Fortsetzung der Emanuel-Reihe kritzeln und schlief darüber ein. Vage erinnere ich mich bewundernder Blicke und Worte Arlekins darüber, der solcher Magie nicht fähig ist. Mir ist es nichts Besonderes, sehe ich darin einfach eine Fähigkeit der Elfen, die mir meine Mutter vererbt hat.

Am Morgen erwachte ich gewohnt launisch, aber erfrischt, auch durch eine Behandlung Satunas, die mein Bein noch in der Nacht mit einem Brei aus Beeren versorgt hatte, um das Gift des Dämons auszutreiben. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob mir nicht schon meine beiden Gespielinnen zuvor das Gift ausgetrieben hatten.

Wie auch immer, der Altvater hatte uns eingeladen, ihn im heiligen Fechtsaal der Grünkappen aufzusuchen zu einem formidablen Frühstück. Nur Grünkappen dürfen diesen Ort betreten und selbst mir war es bis zum heutigen Tage verwehrt. Ich witterte einen Durchbruch in meinen Bemühungen, den Pakt zwischen unseren Gilden endlich zu besiegeln.

Der Saal ist fürwahr beeindruckend – unter unseren Füßen an jenem Orte wurde das Reich Nostria einst gegründet, auch wenn der Gasthof zu dieser Zeit noch nicht gestanden hatte.
Das Mahl war vorzüglich und der Altvater zahlte einem jeden von uns eine kleine Summe als Dank für die erfolgreiche „Fischfutter-Ernte“. Nur Arlekin war schlecht aufgelegt und zeigte seinen Missmut unverholen. Erst die Aussicht, bei der Folter – Verzeihung, ich meine beim Verhör Asmodets zu späterer Stunde – mitzuwirken, munterte den Adeptus auf.
Ich nahm den Altvater zur Seite und konnte tatsächlich ein Bündnis zwischen den Grünkappen und uns Gargoyles aushandeln – Tante Awanda wird sich freuen. Wieder eine Stadt mehr in unserem Wirkungskreis. Zudem musste ich keinen Treueschwur leisten, im Gegensatz zu Arlekin, der sich einen Vorteil für seine Akademie aus dem Bündnis erhofft.
Kontakte zu haben ist immer von Vorteil, doch will ich mich nicht unnötig binden lassen. Orasilas war es selbstverständlich unmöglich, einer Organisation wie den Grünkappen einen Treueschwur zu leisten. Leider verkompliziert das unseren Aufenthalt im Fringlashof, denn es ist ihm nicht gestattet, das Haupthaus zu betreten, in dem ich und Arlekin angemessenere Gemächer bezogen haben, mit weichen Betten und einer Aussicht über die verbliebenen Dächer der Stadt. Der Praetor ist schlichte Unterkunft gewohnt, nehme ich an, und beklagt sich nicht.

Überrascht hat mich noch dies: Arlekin wirkte einen Freundschaftszauber auf Orasilas. Ich habe es sofort erkannt, denn der Bannbaladin ist ein Zauber elfischen Ursprungs und ich war schon früher zugegen, als er gewirkt wurde. Es ist leicht, selbst für einen Halbelfen, ihn zu erkennen. Schließlich habe ich auch auf irgendeine Weise etwas Magisches an mir, sonst könnte ich meine flotte Schreibefeder nicht für mich arbeiten lassen.
Der Pakt mit den Grünkappen kann uns nur zum Vorteil gereichen, soviel steht fest. Nur gilt es unseren Verbündeten noch einen Gefallen zu erfüllen, von welchem ich mir keine Vorstellung machen kann.

von Lysander Federkiel alias Florian Hoffmann

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