Zamino der Sehende

"Zamino" / Copyright by Tanja Waack

Zigeuner und Hellseher

Zamino der Sehende oder auch Zamino ibn Fahi stammt aus der Familie der Nevasca, einer Zahori-Sippe aus Aranien. Als fahrendes Volk nennt die Familie die Straßen von Baburin bis Perricum ihr zu Hause. Leider werden sie nirgendwo gern lange geduldet. Zu groß ist das Misstrauen, sie würden Unheil bringen und stehlen. An letzterem ist sicher auch hin und wieder etwas dran, wenn das Geld mal wieder knapp ist.

Zaminos magische Begabung wurde früh von seinem Großvater erkannt. Von ihm lernte er über Jahre eine Menge Tricks, angefangen bei Illusionen, bis hin zu hellseherischen Fähigkeiten. Die Sippe der Nevasca versucht in der Regel mit Wahrsagerei, spektakulären Auftritten und Glücksspiel auf ehrliche Art Geld zu verdienen. Auch Zamino leistet seinen Beitrag nur zu gern: Als „Sehender“ erfüllt er seinen Kunden gegen Münze so manche Sehnsüchte mit dem Legen von Inrah-Karten, dem Blick in die Kugel oder dem Sprechen mit Toten während einer Séance. Manchmal bekommt er die große Chance, in einem Gasthaus eine Darbietung des Staunens, wie er es nennt, vollführen zu dürfen. Seine Illusionen sorgen schnell für offene Münder. Nicht selten landet dann reichlich Münze in seiner roten Filzkappe. Es macht ihm große Freude andere Menschen ins Staunen zu versetzen und zu überraschen. Seine drei Brüder hingegen sorgen mit dem Messerwerfen und Schaukämpfen neben Geld auch für den Schutz der Sippe. 

Die Zahori-Sippen sind weithin bekannt für ihre ausgiebigen Feste, auf die die Göttinnen Tsa und Rahja stolz sein können. Auch Zamino feiert nur zu gern und gibt für seine Freunde gern sein Geld aus. Schließlich muss man das Leben genießen, nicht wahr? Leider führte das dazu, dass er und seine Familie nahezu ständig pleite war. Wenn dann kein Geld durch die Schausteller-Künste reinkam, mussten Zamino und seine Brüder die Familie mit Diebstählen über Wasser halten. Nicht selten entbrannte dabei ein Wettstreit zwischen den Brüdern, wer die riskanteren Manöver durchziehen oder wertvolleren Gegenstände ergaunern konnte. Noch dazu vertritt seine Sippe die Ansicht, dass Gegenstände dem gehören sollten, der sie am nötigsten braucht. Unterstützt durch seine magischen Fähigkeiten, konnte Zamino oft den Wettstreit für sich entscheiden, was ihn viel Ansehen und Staunen unter seinen Brüdern einbrachte. Somit empfindet er bis heute Freude am Stehlen, und sei es, um andere ins Staunen zu versetzen.

Zu dieser Ansicht gesellt sich die Zahori-Tradition der Vendetta. Wird einem Sippenmitglied ein Leid angetan, sorgt die gesamte Sippe dafür, dass entsprechend Rache geübt wird. Nicht selten fließt dabei Blut.

Sharkan Sharim-Shar ibn Rachwaq, Emir von Djeristan, umwarb vor einigen Götterläufen die gleiche Frau, wie einer der Brüder Zaminos. Als sich die Frau für den Zahori entschied, war der Emir so erbost darüber, dass er den Bruder umbringen ließ. Dafür rächte sich die Sippe blutig. Ein Kapitel, dass Zamino gern aus seinen Erinnerungen streichen würde. Obwohl er eigentlich Kämpfen lieber aus dem Weg geht, klebt seit dieser Nacht auch an seinen Händen Blut. Die Sippe 

tötete zwei Angehörige des Emir sowie ein paar Bedienstete. Daraufhin ließ Emir Sharkan Sharim- Shar von Söldnern das Lager der Zahori niederbrennen und die Familie hinrichten. Nur wenige konnten zusammen mit Zamino und seinem Bruder Bahilo fliehen. Sein Großvater und Vorbild starb in dieser Nacht zusammen mit Zaminos Eltern und anderen Brüdern.

Als der Emir davon Wind bekam, heuerte er Kopfgeldjäger an, die Zamino quer durch das Mittelreich jagten. Dabei musste er all zu oft untertauchen und sich mit Diebstählen notgedrungen über Wasser halten. Der Zahori ist aber nicht auf den Kopf gefallen. So umgibt er sich stets mit kampfstarken Abenteurern, die ihn, wenn es drauf ankommt, beschützen können. Als Begleitung der Abenteurer führte ihn seine Reise bis in das Svellttal. Hier hörte er von mächtigen Sternensplittern. Seitdem versucht er, einen davon zu ergattern, um sich mit dessen Macht seinen Häschern endlich erwehren zu können.

Zaminos Loyalität zu seiner Sippe ist bis heute ungebrochen. Um seinen Bruder Bahilo und die wenigen Überlebenden zu unterstützen, sendet er hin und wieder kleine Kissen zu einem befreundeten Händler in Perricum. Darin versteckt er wertvolle Kleinodien, die seine Familienmitglieder zu Geld machen können. Dabei weiß er gar nicht, ob sein Bruder noch lebt, oder bereits von Kopfgeldjägern getötet wurde. Der Zahori reist in der Regel mit einem Ein-achsigen-Karren, der von seinem Maultier Elsa gezogen wird. Er träumt von einem eigenen Planwagen mit Pferd und einem Leben ohne Angst vor Kopfgeldjägern.

von Heiko Raschke

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